Die letzten Wochen und Monate waren sehr nervenaufreibend. Während lange ein möglicher Saisonstart in weiter Ferne lag und niemand genau wusste, ob es überhaupt eine Saison geben wird – herrscht zumindest bei diesem Thema nun Klarheit. Wir werden in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord an den Start gehen. Unser erster Vorsitzender Michael Weissin hat sich gemeinsam mit dem Chefcoach „Mitch“ Pohl für das große Saisonstart-Interview getroffen. Aber lest einfach selbst:

Nur noch knapp zwei Wochen, dann steht das erste Testspiel in Timmendorfer Strand gegen den Adendorfer EC an. Wie laufen die aktuellen Planungen?

Mitch: Wir arbeiten seit Wochen intensiv an der Kondition des Teams. Die Jungs haben viel Spaß am Training und wir alle sind sehr motiviert auf die anstehende Saison. Natürlich müssen wir auch weiterhin intensiv an der Entwicklung des Kaders arbeiten und Verstärkungen suchen. Das ist natürlich in Anbetracht der finanziellen Situation wegen der Corona-Krise sehr schwierig, aber wir geben unser bestes.

Michael: Natürlich spielen die Finanzen eine große Rolle bei der aktuellen Planung. Aktuell sind zwei Spieler bei uns zum Try-Out. Von denen erhoffen wir uns, dass Sie das Team unterstützen können in der kommenden Saison. 

Das Geld spiel eine große Rolle. Warum ist die diesjährige Planung so schwer?

Michael: Durch geringere Zuschauerzahlen und höhere Kosten aufgrund der anstehenden Regionalliga Saison stehen wir vor einer großen Herausforderung. Wir sind glücklich, dass viele Sponsoren auch in dieser Saison wieder dabei sein. Andere haben aber natürlich aufgrund der aktuellen Krise ihr Engagement zurückgeschraubt. Das ist schade für den Sport, aber angesichts der aktuellen Situation und der Tatsache, dass viele Sponsoren aus der Gastronomie und dem Gastgewerbe kommen, ist es unausweichlich. Wir müssen nun mit Augenmaß und Verantwortung handeln, hoffen aber eine schlagkräftige Truppe auf das Eis zu stellen. 

Vor welchen Herausforderungen steht ihr ansonsten noch?

Michael: Die Hygieneauflagen aufgrund der Corona-Pandemie zwingen uns dazu, nur 150 Fans zu unseren Heimspielen in die Halle lassen zu dürfen. Aktuell müssen wir daran arbeiten, weitere Sitzplätze in der Eishalle am Timmendorfer Strand zu schaffen, damit auch 150 Fans unter Einhaltung der Abstandsregeln die Spiele der Mannschaft verfolgen können. Es gibt momentan auch immer noch eine Gewisse Unsicherheit wie lange die Lage so bleibt. Wir hoffen nicht, dass die aktuellen Maßnahmen wieder weiter eingeschränkt werden. Wir müssen uns aber auf jedes Szenario einstellen. Das macht die Planungen um so schwerer. 

Warum ist die Unterstützung der Fans in dieser Saison besonders wichtig?

Mitch: Wir haben in dieser Saison eine ganz neue, sportliche Ausgangssituation. Nicht nur, dass wir aufgrund von Corona natürlich bei der Kaderplanung kleinere Brötchen backen müssen. Es ist natürlich immer einfach ein Team zu unterstützen, welches viele Spiele gewinnt. Aber gerade dann, wenn es hart auf hart kommt ist es umso wichtiger auf die Unterstützung der Fans zählen zu können. Wir haben jetzt in der Regionalliga direkt eine ganz neue Situation. Und aufgrund von Corona kommen weitere Faktoren hinzu. Wir hoffen, dass wir in der neuen Saison auf die Unterstützung der Fans zählen können. 

Welche Ziele habt ihr euch für die kommenden Wochen gesetzt?

Michael: Natürlich steht an oberster Stelle aktuell die Hoffnung, weitere Sponsoren für diese Saison gewinnen zu können. Die generelle Bereitschaft ist bei vielen da. Aber leider macht Corona auch bei diesen Planungen nicht halt und wir müssen Verständnis dafür haben, dass alle nur mit weitaus weniger planen können. 

Mitch: Ich arbeite weiterhin akribisch daran, den Kader weiter zu ergänzen und aufzubauen. Und natürlich müssen wir auch weiterhin versuchen, den vorhandenen Nachwuchs in den kommenden Monaten weiter aufzubauen, um hoffentlich irgendwann einmal diese Spieler hochziehen zu können. Ich freue mich auf dieses Projekt und glaube, dass wir viel erreichen können. 

Einige Teams in der Regionalliga konnten sich hochkarätig verstärken. Wie seht ihr die Situation?

Michael: Das ist ein ganz schwieriges Thema, bei dem auch ganz viel Ungleichheit momentan herrscht. Ich kann die Fans verstehen, die zum Beispiel auf Adendorf schauen. Der AEC konnte schon mehrere Kontingentspieler verpflichten. Wir dagegen arbeiten momentan noch daran und können keine voreiligen Versprechungen machen. Die Situation in Adendorf ist aber zum Beispiel eine ganz andere als bei uns. Der AEC kann momentan mit 400 Zuschauern planen. Wir hingegen nur mit 150 Zuschauern. Da wir in dieser Saison die gleichen Eintrittspreise nehmen ist der Vergleich ganz einfach. Allein durch die Ticketeinnahmen steht den Adendorfern fast drei Mal so viel Geld zur Verfügung durch Ticketeinnahmen wie uns. Braunlage zum Beispiel plant momentan mit 580 Zuschauern. Davon sind wir leider weit entfernt, müssen uns aber der Situation im Rahmen unserer Möglichkeiten stellen und versuchen das Beste daraus zu machen. 

Die Saison wird sportlich wahrscheinlich schwierig, angesichts der Corona Situation. Sollte dieses Jahr dann mehr als Vorbereitung auf die kommende Saison unter hoffentlich normalen Bedingungen gesehen werden?

Mitch: Wir befinden uns natürlich in einer schwierigen Situation. Aber unsere Mentalität ist eine „Jetzt erst jetzt“ – Mentalität, mit der wir an diese Saison herangehen. Das erste Regionalliga Jahr ist natürlich auch mit einem gewissen Entwicklungsprozess als Aufsteiger zu sehen. Und dieser Prozess wird natürlich auch etwas Zeit brauchen. Wir werden schon jetzt damit beginnen, das Konstrukt auch für die kommenden Jahre aufzubauen. Dazu kommt die Idee mit dem dualen System aus Job und Eishockey. Daran werden wir intensiv arbeiten, um schlagkräftig in die Zukunft schauen zu können. 

Wie sehen eure Ziele und Prognosen für die neue Saison aus?

Michael: Natürlich steht an oberster Stelle den ein oder anderen Gegner in dieser schwierigen Situation zu ärgern. Wir müssen nun erst einmal in der Liga ankommen. Dazu zählt neben einem ausgeglichenen Haushalt mit Augenmaß auch der Blick in die Zukunft und die nächsten Jahre. 

Mitch: Wir haben allein in der Regionalliga nun einmal 28 Spiele vor der Brust. Das ist eine ganz andere Belastungssituation für die Jungs als in den vergangenen Jahren. Wir freuen uns auf die anstehenden Aufgaben und hoffen, möglichst viele Siege für die Fans einfahren zu können. Das wichtige allerdings ist, die Saison auch finanziell unbeschadet zu überstehen. Über allem steht aber immer noch eins, was das allerwichtigste ist. Die Gesundheit eines jeden. Und wir hoffen, spätestens in der neuen Saison wieder vor vollen Rängen, um Punkte kämpfen zu dürfen.